Zur PFC-Kontamination auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow

Zahlreiche Liegenschaften der Bundeswehr sind mit giftigen per- und polyflourierten Chemikalien (PFC) belastet. Vor über einem Jahr wurde in der Öffentlichkeit bekannt, dass auch der Truppenübungsplatz Altengrabow betroffen ist. Von Anfang an war zu befürchten, dass diese giftigen Chemikalien auf dem Truppenübungsplatz auch ins Grundwasser gelangt sein könnten.

Die Grünen im Jerichower Land haben sich seit Bekanntwerden der Belastung durch die giftigen Substanzen für eine vollständige Aufklärung der bestehenden Gefahren und eine umfassende Information der Bevölkerung eingesetzt. Unter Leitung von Nils Rosenthal (Vorstandsmitglied der Grünen im Jerichower Land) wurde im September 2019 eine Bürgerversammlung in Schopsdorf durchgeführt, an der neben Vertretern der Bundeswehr und des Landkreises Jerichower Land auch Klaus Rehda (Staatssekretär im Umweltministerium des Landes Sachsen-Anhalt) und Rüdiger Claus (Kreisvorsitzender der Grünen im Jerichower Land) teilnahmen.

Auf dieser Veranstaltung wurde durch die Bundeswehr und das von ihr beauftragte Ingenieurbüro, die IHU Geologie und Analytik GmbH, versichert, dass keine Gefährdung des Grundwassers in der Region besteht. Der seit Februar 2020 vorliegende Bericht der IHU zur Detailuntersuchung der PFC-Kontamination auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow stellt diese Aussage aber in Frage und bestätigt den Kontaminationsverdacht der ebenfalls von IHU durchgeführten Voruntersuchungen.

Während die vorhandenen Belastungen des Bodens mit PFC gemäß IHU nur bei einer Umnutzung der Flächen einen weiteren Untersuchungsbedarf ergeben würden, verhält es sich bei der Belastung des Grundwassers anders. In allen 20 Grundwasserproben wurden PFC festgestellt. Da das Grundwasser vom Truppenübungsplatz Altengrabow insbesondere auch in die umliegenden Dörfer abströmt, ist die Aufklärung der drohenden oder bereits bestehenden Gefährdungen von dringendem öffentlichen Interesse.

In den Bodenproben der Kontaminationsfläche im Umfeld der ehemaligen Feuerwache wurden die höchsten PFC-Konzentrationen festgestellt. Dennoch erfolgten dort bisher keine Grundwasseruntersuchungen. Einträge von PFC in das Grundwasser könnten bei den bestehenden Fliessverhältnissen in Richtung Ortslage und Wasserwerk Drewitz gelangen oder bereits gelangt sein. Die Kontaminationsfläche beim Feuerwehrgebäude hat einen Grundwasserabstrom in Richtung Magdeburgerforth. Eine Beeinträchtigung des Wassers der Gloine ist nicht auszuschliessen.

Für eine belastbare Gefährdungsbeurteilung für die Schutzgüter Oberflächen-, Grund- und Trinkwasser bestehen gemäss IHU noch erhebliche Kenntnisdefizite, die in einer weiteren Untersuchung beseitigt werden sollten. Untersuchungen des Grundwasserabstroms in Richtung Drewitz und Magdeburgerforth sowie des Oberflächenwassers der Gloine müssen umgehend durchgeführt werden.

Die bisherige Verzögerungstaktik der Bundeswehr muss beendet werden. Die Menschen in den betroffenen Gebieten sollten umgehend über vorhandene Gefährdungen informiert werden. Insbesondere sollte geklärt werden, ob das Trinkwasser in Drewitz kontaminiert wurde oder gefährdet ist. Auch die Beeinträchtigung des Gloinewassers muss untersucht werden. Neben wertvollen Biotopen im Umfeld der Gloine ist auch der Dorfteich in Magdeburgerforth, in dem bald wieder Kinder baden, möglicherweise betroffen. Landwirte nutzen das Gloinewasser als Tränke für ihre Tiere und die Anwohner zum Wässern ihrer Gärten.

Die offenen Fragen zur Gefährdung des Trinkwassers rund um den Truppenübungsplatz Altengrabow müssen dringend beantwortet werden. Die Grünen im Jerichower Land setzen sich weiter dafür ein, dass die nötigen Untersuchungen zeitnah vorangetrieben werden und eine proaktive und rückhaltlose Information der Bevölkerung über den Stand der Untersuchungen erfolgt.

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